Richard Mösslinger Link Europa Literaturkreis Kapfenberg
"Es ist sicherlich gut, P.R. wieder mehr in den Mittelpunkt der Menschen, aber auch der Schulen zu rücken. Ich persönlich habe auch in meinen Dichtungen sehr oft Rosegger eingebunden, bzw. sein Gedankengut."
Deis huhle Brettl und Der erste Schultag und Die Christagsfreud
Alls kimmt zruck
Er hat zu mir gsagt,
ih sollat mei Goschn haltn,
wal ih ja eh nix varsteh.
Am liabstn hätt ih eahm
ane einidruckt,
aber ih han mih zruckghaltn
und denkt:
“Mei Stund schlagt
schon noh,
ih wart ab!“
A paar Wochn später
hat sei Tschässn
grad vor unserm Haus
in Geist aufgebm.
Da is er kemman
und hat gfragt,
ob ih eahm helfm kunnat.
Ih han in Fehler
gleih ghabt,
und wia er gfragt hat,
was er mir schuldi waar,
han ih nur gmoant:
“Nix,
wal du varstehst ja
eh nix davon!“
Ob er’s gneißt hat?
Das Nullproblem
A großes Gfrett in unsrer Schul
ban Rechnen is die Ziffer NULL.
Sie zöhlt gar nix, steht sie alloan,
ma braucht sie nit, stahngat sie vorn;
doh, steht die NULL auf oanmal hint,
vül mehra zöhlt die Sach hiatz gschwind.
Ban Z’sammanzöhln von unt' nach obm
wird bei der NULL nur weitergschobm;
doh, ziachst du a(b), aft zöhlt sie vull -
sie zöhlt ah schön als Dopplnull.
Ban Malnehman, ban Dividiern
Da hoaßt's: D’ Geduld ja nit valiern!
Und noh oans is für alle fix,
nimmst d' drei mal NULL, is's trotzdem nix.
Drum, wannsd als NULL durchs Lebm gehst,
kimmt‘s nur drauf an, wo du grad stehst!
A Volksliad
Da hat oaner gsungan,
ganz frei hat er’s hingstöllt.
Die Andern habn standape
zubipasst gleih.
Es warn Harmonien,
dei iader Leit gspürt hat,
gar koaner hat’s aufgschriebn,
nur gsungan is wordn.
Ma hat’s weitergebn
im Gasthaus, dahoam.
A Volkslied is’s wordn,
’s schlaft net in der Ghoam.
Es hat sih varbroatat
so unter der Hand,
ziacht Freid tragend heit noh,
recht laut durchs Land.
Der Globus
Zan Jokl sagt der Lehra laut:
“Du liaba Kerl, du ghearst mal ghaut.
Seit ih da bin in dera Klass
werd ih bei jeder Prüfung haß,
wal du im Gegnstand Geographie
bis hiatzn glernt hast wuhl noh nie.
Richt aus dei’m Vater, ih lass eahm griaßn,
er wird da(r) an Globus kafm miassn!”
Kaum is er d’hoam, richtat er’s aus.
Drauf keift der Vota: “‘s wird nix draus!
Du fahrst weita mitn Bus die nächste Zeit
und gsch..aut wird dahoam, mia sand oanfache Leit!
A Stoanl am Wegerl
Ih schupf a kloans Stoanl,
ih denk nix dabei.
Nur’s Stoanl, deis kullert
und moant, es is frei.Wia’s Stoanl dahinrullt,
so is ah is Lebn.
Manchsmal liegt ma richti’
und manchsmal da(r)nebn.A Stoanl am Wegerl:
Ih schupf’s vur mih hin.
Kimm hinterher drauf,
dass ih’s sölber gwe(s)n bin!
Bamzacherl
Ih steh in an Park,
hab Zacherl in d‘ Äst.
“Warum?”, fragstd‘ dih, “sullt a Bam rearn?”
Spitz ganz fein die Ohrn,
aft is as ganz leicht,
du kannst mih als Bam klagn hearn:
“Vur Jahrn war alls schön,
mia warn noh viel mehr,
die Wiesn vor uns war a Pracht.
Von heute auf morgn
habm s‘ vor unsere Augn
aus d‘ Wiesn a Baugruabm gmacht.
Koa Schmetterling fliagt,
koa Beinl summt mehr,
es steht a Betonklotz hiatz durt.
Die sölige Ruah,
is Jahreszeitgschehgn,
deis is alles endgültig furt.
Die Menschn im Haus,
dei brauchn a Kur,
sie sand nämlih alle net gsund.
Wann schlagt denn für mih,
für d‘ Bama danebm,
die letzte und bitterste Stund?”
Der Lahnwind
Warm kimmt er aber,
der Lahnwind vom Berg,
weckt die Viecher stüll auf,
dei im Schlaf glegn sand.
Mehr Gräusch sand zan hearn,
wal gschaftigs Treibn
ban Viech und ba d’ Leut
hiatz viel Arbeit varhoaßt.
Nebsbei sehgn mar nit,
wia all unser Dreck
die Umwelt varseucht:
S’ is zan Stadsein vardammt.
Deis Oanzige, was schreit,
is’s Load gleim nebn uns,
wal sinnlose Streiterei
die Stadn übertönt.
A Stoanl
Bin’s a Stoan nur am Wegrand,
den koa Wand’rer betracht’t,
und drum frag ich mih lang schon,
warum bin ih wohl gmacht.
Han koa Antwort kunnt kriagn
in der endslangen Zeit,
s’ han mih tretn und gschupft oft
all die Viecher und d’Leut.
Wann ih redn kunnt, wia Menschn,
kunnt ih etlahs darzähln,
kunnt eahn`vürzoagn, was falsch is,
was fürn Weg s’ müassn wähln.
Bin a Stoan nur, a kloaner,
wahr nimmst du mih erst jetz,
wal ih’ns Schuahwerk bin krochn,
dih ba d’ Fuaßsohln fest wetz.
Bin a Stoanl, a kloanes,
bin viel tretn, gschupft wor(d)n.
Hätt mih gfreut, hättsd mih aufghobm,
mih gleih wieder varlorn.
Der Kroas schliaßt sih
Blattln falln ab vom Bam,
d‘ Wind streicht durch die Äst,
säuslt und wisplt uns:
Hirbst is as gwest.
Blattln sand angfärbt wur(d)n,
leichtn wia Guld,
wann d‘ Sunn auf eahna lacht;
d‘ Hirbst is dran schuld.
Blattln liegn drent am Bodn,
raschln ganz dürr,
wann der Wind einfahrt,
aber schon wia.
Blattln sand zuadeckt wur(d)n
vom Ranftl Schnee.
D‘ Költn hat s‘ stad hiatz gmacht,
‘s tuat eahna weh.
Blattln siachst koane mehr,
Erdn sand s‘wur(d)n.
So schliaßt sih der Kreis bald,
fang‘ an von vurn.