Karl-Heinz Fricke
lebt in Kanada und schreibt für e-stories, Buchveröffentlichung: Isidor was machst du da?
Müdigkeit
Fest schlief sitzend am Tische ein
das gute, alte Mütterlein.
Es war für sie ein langer Tag,
sehr viele Stunden war sie wach.
In Anbetracht ihrer Schmerzen,
der Probleme mit dem Herzen,
tut sie noch immer ihre Pflicht,
in ihrem Haus fehlt es an nichts.
Sie bereitet alle Speisen,
verzichtet auf Spiel und Reisen,
beschäftigt mit des Hauses Putz,
hat ihre Stunden stets genutzt.
Es geht nicht mehr, wie sie's gekannt,
es ging so leicht ihr von der Hand,
jedoch am Abend da hat sie
verbraucht die Kraft und Energie.
Im Alter fällt so vieles schwer
und fremde Hilfe müsste her.
An sowas denkt sie einfach nicht,
es gibt für sie nur ihre Pflicht.
Es lebt der Mensch solang er kann,
er kommt am Himmeltore an,
wenn seine letzte Stunde schlägt
und gar nichts mehr an ihm sich regt.
So sehnt das alte Mütterlein,
vielleicht in Kürze wird es sein,
nach Ruhe sich in jedem Jahr,
damit ihr Wunsch wird recht bald wahr.
Das Teufelskraut
Noch immer wird es angebaut
das einst beliebte Teufelskraut.
Seit Sir Raleigh den Tabak entdeckt,
wurde fleißig er in Brand gesteckt.
Zigaretten und Zigarren werden geraucht
und Tabak aus vielen Pfeifen geschmaucht.
Eine riesige Industrie entstand,
seitdem dieses "Hobby" weltbekannt.
Männer haben schnell es sich angewöhnt,
der "Genuß" für Frauen war jedoch verpönt.
So raucht man seit einigen hundert Jahren,
seit Columbus die Meere befahren.
Der Rauch stieg auf in aller Welt,
Tabak bekam man für wenig Geld.
Den Regierungen wurde es schnell gewahr,
dass das Kraut eine Steuerquelle war.
Nun wurde alles banderoliert
was in Betrieben man fabriziert.
Der blaue Qualm verzog sich nie,
das Rauchen wurde zur Manie.
Selbst den Fürsten, noch bezopft,
wurden fleißig die Pfeifen gestopft.
So gehörte damals schon
das Rauchen zum guten Ton.
Es wurde schon seit langer Zeit
die Lunge in stickigen Rauch gehüllt.
Heutzutage ist man so weit,
dass man schon die Folgen fühlt.
Das schlimme Gift, das Nikotin,
raffte schon Millionen hin.
Viele Männer wurden schlau,
inzwischen qualmt und pafft die Frau.
Kinder sieht man an Straßenecken
sich Sargnägel in die Munde stecken.
Sie tappen in die Tabaksfalle,
Unverbesserliche werden nicht alle.
Viele haben das Licht erblickt
und das Kraut in die Hölle geschickt.
Die Sucht nach dem Gift ist riesengroß,
man fürchtet kaum der Erde Schoß.
Wenn der Lungenkrebs grassiert,
dann ist das Unglück schon passiert.
Es folgen schlimme Operationen,
nachher darf man im Himmel wohnen.
Der Patient am Fenster
Ins Krankenhaus von Bad Gastein
lieferten sie zwei Männer ein.
Einer lag an der hinteren Wand,
er bekam einen Streckverband.
Dem anderen schien nicht viel passiert,
man hatte ihn am Fenster platziert.
Die beiden unterhielten sich,
sehen konnten sie sich nicht.
Der Mann am Fenster beschrieb was er sah,
riesige Berge seien ganz nah.
Leute in der Sonne er wandeln säh',
und ganz links sei ein blauer See.
Schwäne ziehen stolz ihre Bahn,
ein Angler sitzt ganz still im Kahn.
Ein Hund sich faul am Ufer sonnt,
ein weißes Segel am Horizont.
Ein Liebespaar, sehr jung und rank,
setzt sich auf die Uferbank.
Kinder spielen mit einem Ball,
ein Junge kam gerad' zu Fall.
Über eine Woche lang
hörte der Mann im Streckverband,
was da draußen täglich geschah,
was der andere für ihn sah.
Es geschah in der neunten Nacht,
der Erzählende wurde hinausgebracht.
Man drückte ihm die Augen zu,
nachdem er gefunden die ewige Ruh.
Trauer zog in des anderen Herz,
ein ungewohnter Seelenschmerz.
Und als ihm der Verband abgenommen,
hat er den Platz am Fenster bekommen.
Er sah keinen Berg und keinen See,
auch keinen Menschen in der Näh'.
Sein suchendes Auge nur fand
direkt vor ihm eine graue Wand.
Die Schwester erzählte ihm dann,
vollkommen blind war der tote Mann.
Er war ein Mensch von Herzen gut,
er gab Ihnen Zuversicht und Lebensmut
Texte © Copyright Karl-Heinz Fricke